Eine zweifache Aufarbeitung ist nötig

Als ein in Westdeutschland geborener war mir die Faktenlage längst klar:

Es braucht eine gründliche Aufarbeitung der DDR-Geschichte, und zwar nicht nur bei Historikern, sondern auch beim normalen Menschen.

Mittlerweile sehe ich noch einen zweiten Aspekt, der einer Aufarbeitung bedarf und der womöglich eine Tür dafür ist, um die DDR-Geschichte aufzuarbeiten: Die Nachwende-Geschichte.

Ein Absatz aus einem Zeitungsartikel hat mich dafür sensibilisiert:

„Hinrich-Lehmann Grube, der nacher der Wende acht Jahre land die Geschicke der Stadt Leipzig leitete, mahnte: ‚Wir kommen bei der Deutschen Einheit nur voran, wenn wir auch die Zeit danach betrachten.‘ Innerhalb weniger Monate sei die Begeisterung vieler Menschen angesichts der Arbeitslosigkeit der Verzweiflung gewichen. […] Wer verstehen will, warum sich heute so mancher mit dem Feiern schwer tut, müsse die beiden Nachwendejahre mit einbeziehen und auch wissen, dass es in Westdeutschland nur wenige gab, die bereit waren, nach dem 3. Oktober 1990 anders zu denken und etwas anderes zu wollen.“ (Meininger Tageblatt: „Die DDR – ein Geschichtsabenteuer“, 30.01.2009)

Mit diesem Blick bin ich auf einmal nicht nur der, der irgendwie neutral auf die ostdeutsche Vergangenheit schauen kann, sondern werde Teil von gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen seit 1989. Ich lebe seit 2002 im Osten Deutschland und merke: ich muss nicht nur viel über das Leben in der DDR verstehen, sondern mindestens genau so viel über das Leben in den Nachwendejahren.

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