30. Sep 2009
Gestern erschien ein Interview mit mit dem Politikwissenschaftler Herfried Münkler im Meininger Tageblatt. Hier ein paar Auszüge daraus zum Nachdenken:
„Das Jahr 1989 hat sich nicht als große sinnstiftende Erzählung durchsetzen können, sondern wird überlagert von der Erzählung der diplomatischen Erfolge auf dem Weg zur Wiederherstellung der deutschen Einheit.“
Der 3. Oktober ist „eher das Datum für eine Selbstfeier der westdeutschen politischen Klasse“.
Auf die Frage, warum 1989 nicht bundesweit zu einem großen Bezugspunkt geworden ist, meinte Münkler:
„Ich glaube, drei Faktoren spielen da zusammen. Erstens hatte die westdeutsche politische Klasse, die im Prozess der Wiedervereinigung glänzende diplomatische Leistungen vollbrachte, weder am Oktober 89 noch am 9. November einen Anteil. Zweitens spielte auch die Mehrheit der Bevölkerung eine passive Rolle – jedenfalls der gesamte Westen. Der Herbst 89 wurde hier im Fernsehen verfolgt. Drittens darf man nicht vergessen, dass mit der DDR für Teile der deutschen Bevölkerung ein großes Projekt zusammegebrochen ist. Auch wenn die DDR kaum dem entsprach, wie sich Intellektuelle und andere den Sozialismus vorgestellt haben.“
Als im Westen geborener habe ich natürlich an den Herbst 1989 wohlige Erinnerungen. Ich konnte bequem diesen Umbruch in Ostdeutschland vom Sofa aus verfolgen. Und ich glaube, die Einheit wäre heute in meiner Lebenspraxis relativ bedeutungslos, wäre ich nicht vor 7 Jahren in die ehemaligen Revolutionsgebiete gezogen.
Für mich bleibt die große Frage, wie wir mit dem 3. Oktober umgehen sollen. Gibt es dazu Anregungen, Ideen, Meinungen?
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Verfasst von Marcus Bittner
7. Sep 2009
20 Jahre Mauerfall bedeutet ja nicht, dass zwischen Ost und West eine Liebesbeziehung entstanden ist und schon gar nicht eine Liebesheirat (wobei mir der Begriff Zwangsheirat auch nicht gefallen würde). Heute lese ich im Meininger Tageblatt, dass die Vorbehalte des Westens gegenüber dem Osten wohl sogar noch höher seien als andersherum. Der Psychoanalytiker Günter Jerouschek behauptet: „Westdeutsche haben ihre vermeintliche Besserstellung über Jahrzehnte hinweg verinnerlicht.“ Die Einstellung kommt wohl noch aus Zeiten des Kalten Kriegen und wurde auch an die jüngere Generation weitergegeben. Die von den Ostdeutschen gepflegte Ostalgie (also das Gegenteil von Westalgie) sei eine Antwort auf das westdeutsche Phänomen: „Das sind zwei Seiten einer Medallie“.
Interessanterweise hat sich unser Innenminister jetzt zu Wort gemeldet und hat zu mehr Verständnis für die Gefühle vieler Ostdeutscher aufgerufen: „Die Menschen im Osten haben seit dem Fall der Mauer viele Kränkungen erlebt.“
Objektiv hat er Recht. Ich höre aber zwischen den Zeilen auch hier etwas von der westlichen Vormachtstellung – oder höre ich das Gras wachsen?
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Verfasst von Marcus Bittner
4. Sep 2009
Vor kurzem habe ich den oben genannten Film gesehen. Unter Komödie hatten ich ihn ausgeliehen, aber die Bezeichnung Tragödie hätte es besser getroffen. Es spielt einige Wochen vor dem Mauerbau, in Dresden. Zwischen Partys, über`s Leben philosophieren und Freiheitsdrang tritt auf einmal die Stasi das Leben eines jungen Mannes und das seiner Freunde. Wem kannst du trauen, wer kämpft wirklich für die gleichen Ziele und wie kann ich das unterscheiden?
Die Frage steht, für jeden der irgendwann von der Stasi mitgenommen wird, ob er sein Leben lang Ärger haben will und immer bespitzelt wird oder ob er nicht stattdessen vielleicht selbst Spitzel werden sollte, auch wenn es die eigenen Freunde betreffen würde.
Der Junge Mann entschied sich wenige Tage vor dem Mauerbau nach West-Berlin zugehen, weil er beide Möglichkeiten nicht ertragen wollte. Einen seiner Freunde traf er gleich nach seiner Ankunft und im Nachdenken, warum er so viel Ärger auf einmal bekommen hatte fiel es ihm schlagartig ein – der Freund hatte ihn bespitzelt.
Ich bin dankbar nur die letzten 4 Jahre der DDR mitbekommen zu haben. Klar war vieles gut und trotzdem, ich mag meine Freiheit als Thüringer in Baden-Württemberg zu leben und tun zu können was ich will.
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Aufarbeitung |
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Verfasst von supersnoke
4. Sep 2009
Zugegeben ist es schon ganz schön ruhig geworden, bei Monitor Ostdeutschland. Ich hatte mir mitzwischenzeitlich schon mal Gedanken gemacht, das Projekt wieder einzustellen. Mittlerweile glaube ich aber, dass dieses Zukunft dieses Projektes erst beginnt.
Ich verstehe, dass wir Westdeutschen die Ostdeutschen immer noch nicht verstehen und umgekehrt. Ich verstehe, dass es Gräben gibt, die es zu überwinden gilt. Ich glaube immer noch, dass der Osten des Landes eine Perspektive haben kann. Ich glaube, dass es positive Menschen braucht, die etwa bewegen wollen. Ich glaube, auch dass christusgläubige Menschen, dazu einen Beitrag leisten können. Deshalb geht es weiter – und das gleich mit zwei Autoren, die ich eingeladen habe, bei Monitor Ostdeutschland mitzuschreiben: Nikolai und Laura. Ich bin sicher, dass sie sehr bereicherndes beizutagen haben.
Bei Nikolai läuft auch gerade eine interessante Diskussion, auf die ich noch unbedingt hinweisen möchte.
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Verfasst von Marcus Bittner
10. Jul 2009
Dieses Jahr 2009 ist ein ganz besonderes Jahr:
- Vor 90 Jahren wurde die Weimarer Republik gegründet.
- Vor 70 Jahren ist der 2. Weltkrieg ausgebrochen.
- Vor 60 Jahren wurden zwei deutsche Staaten gegründet
- Vor 20 Jahren ist die Berliner Mauer gefallen.
Es gibt viel zu reflektieren und deshalb sollten wir diese Jubiläen nicht verpassen und einfach an uns vorbeistreichen lassen. Wir haben als deutsches Volk eine sehr eregnisreiche jüngere Geschichte, die es immer wieder gilt schonungslos ehrlich anzuschauen, damit wir nicht in eine komische Nostaligie kippen. Wie willst du diesen Ereignisse gedenken?
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Verfasst von Martin P.
25. Jun 2009
Heute über das interessante und gleichzeitig kuriose Projekt von Thüringen-Taxi gelesen. Ihre Idee:
Von Weimar aus sich 20 Jahre nach dem Mauerfall auf den Weg zu machen, um mit dem „Thüringen-Taxi“ (einem Wartburg) durch Mittel – und Osteuropa zu steuern. Es geht in die Länder, in denen Ostdeutsche vor der Wende hauptsächlich ihren Urlaub verbracht haben, berufliche Kontakte pflegten, aus denen heraus sie aber auch die Flucht wagten. „Reisewege/Fluchtwege“ – 6000 Kilometer, 60 Tage, 6 Länder, 50 PS, 3 Zylinder, 2-Takt-Motor.
Daraus ist ein spannender Bericht entstanden mit interessanten Begegnungen, der Vergangenheit und Gegenwart verbindet. Hier ist ein Kurzvideo zu sehen.
Außerdem sind auf ihrer Homepage private Urlaubs- und Fluchtberichte und ihr Tourkalender mit Tagebuch.
Ich mag solche Projekte und bin etwas neidisch noch selbst nicht solch eine Tour gemacht zu haben.
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Verfasst von Martin P.
8. Mai 2009
Am 7. Mai vor 20 Jahren wurden in der DDR das letzte Mal die Kommunalvertreter gewählt. Der Ablauf ging wie folgt von statten: Die SED erstellte Listen mit ihren Kandidaten der sogenannten „Nationalen Front“ – also Vertretern aller Parteien und Massenorganisationen. Nun wurde vom Bürger erwartet, dass er am Wahltag genau diese Liste nahm, sie faltete und einfach in die Urne steckte.
Selbstverständlich ohne die dafür rein formal aufgestellte Wahlkabine zu benutzen. Wer sich dem weigerte und anders wählte, dessen Stimme wurde für das stets traumhafte Wahlergebnis (weit über 90 %) einfach ignoriert. So war es überall in der DDR. Überall – nein, nicht überall. Verschiedene Ort e und Menschen leistete bei dieser letztenWahl der DDR Widerstand.
Hier der Bericht des Dorfes Neuglobsow.
Oder hier der Liniealtrick mancher DDR-Bürger. (auf ZDF-Mediathek gehen und dort „1989: SED fälscht Wahlergebnise“ eingeben)
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Verfasst von Martin P.
30. Mär 2009
Eine neue Umfrage bringt einige interessante Ergebnisse: „Der Sozialismus ist auch heute noch einen Versuch wert“ meinen 39 % der befragten Ostdeutschen (West: 24%).“Mit der Gerechtigkeit in der Gesellschaft sind die Menschen im Osten mehrheitlich unzufrieden, im Westen dagegen mehrheitlich zufrieden.“ Die Soziale Marktwirtschaft wird von 50 % der Menschen ist Ostdeutschland befürwortet.
Hinter diesen Zahlen höre ich eine Sehnsucht nach alternativen Lebensmodellen und -möglichkeiten. Welche Antworten haben Christen auf diese Sehnsucht? Wo werden sichtbare andere Modelle gelebt?
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Verfasst von Marcus Bittner