27. Okt 2009

Aufarbeitung ist so ein Schlagwort wenn es um die ehemalige DDR und die Wiedervereinigung geht. Vor 20 Jahren ereigneten sich innerhalb kürzester Zeit die dramatischen Ereignisse, die zum Fall der Mauer führte. Auch wenn manche es geahnt hatten, dass es so kommen würde, wurden wir alle von den Geschehnissen überrascht. Plötzlich war die Mauer nicht mehr und die Wiedervereinigung greifbar nahe. Der ersten Freude auf beiden Seiten ist Ernüchterung gefolgt und bei vielen Menschen Verbitterung. Einige sehnen sich wieder zurück nach der guten alten Zeit. Im Westen reagiert man auf die Verbitterung des Ostens mit großem Unverständnis, schließlich können die ehemaligen DDR-Bürger nicht nur endlich frei reisen und ihre Meinung äußern, sondern durch den Milliarden-Geldtransfer von West nach Ost wurde die marode und vor dem Bankrott stehende DDR und ihre Bürger gerettet, vieles aufgebaut und die Regionen fit für die Zukunft gemacht. Immer wieder höre ich Stimmen von Besuchern aus dem Westen, die feststellen, dass die Städte im Ruhrpott schlimmer und heruntergekommener aussehen als hier in Thüringen. Die Ostler kämpfen ihrerseits mit der Arroganz des Westens, der als Sieger kam und sich den Osten einverleibte, um ihn nun am liebsten wieder zu vergessen. Hinter diesen Sichten steckt viel Wahrheit auf beiden Seiten. Die Sicht könnte nicht unterschiedlicher sein, deshalb müssen beide Seiten zuhören und die Gründe für ihre Sicht verstehen lernen. Es braucht eben nicht nur eine gründliche Aufarbeitung der DDR-Geschichte, und zwar nicht nur bei Historikern, sondern auch beim normalen Menschen, sondern es gibt noch eine weitere Zeit, die einer Aufarbeitung bedarf und der womöglich eine Tür dafür ist, um die DDR-Geschichte aufzuarbeiten: Die Nachwende-Geschichte.
Gebetspunkte:
- Gute Begegnungen zwischen Ost- und Westdeutschen
- Zunahme für Verständnis
- Abbau von Vorurteilen
- Miteinander statt Gegeneinander
- Aufarbeitung statt Verdrängung
- Benennen und Offenlegung von Schuld (auf beiden Seiten)
- Ehrliches Analysieren der Nachwende-Geschichte
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Verfasst von Martin P.
10. Okt 2009
Gerade einen Bericht von Markus Lägel über die gestrige Gedenkversanstaltung anlässlich des 20. Jahrestages der Montagsdemo vom 9.10.1989 gelesen. Damals trafen sich über 70000 Menschen um friedlich mit Kerzen und Gebeten für Veränderung einzustehen. Und das zwei Tage nachdem der DDR-Staat seinen 40. Geburtstag feierte. Es war gerade auch der Mut und die Gebete die die Wende einleiteten und vollbrachten. Das sollten wir nicht aus dem Blick verlieren. Gerade im ganzen Gedenken und Erinnern der nächsten Wochen. Gebet wird auch weiterhin von Nöten sein, um kulturelle Einheit und Veränderung zu bewirken. Als Volk stehen wir heute genauso vor der Notwendigkeit tiefgreifender Veränderung. Auch deshalb mache ich mich im November auf den Weg die ehemailige deutsch-deutsche Grenze betend abzufahren, in den Glauben dass Gott uns die Kraft gibt zusammen zu wachsen und zusammen weiter zu gehen. Und so schließe ich mich Markus Lägel an, wenn er schreibt: „Eine westdeutsche ‘Wende-Folklore’ brauchen wir genauso wenig, wie die ‘Ostalgie-Welle’ auf der anderen Seite. Gebet ist immer noch DER Ort Veränderung zu wagen IN diese Welt hinein – über den ‘Umweg’ Gott. Es ist nicht Refugium der Weltflucht. Mindestens für mich wird es Zeit, sich dessen wieder bewusst zu werden.“ Das Vermächtnis der friedlichen Revolution gehört eben nicht ins Museum. Es braucht weiterhin Menschen die auf die Kraft von Wendegebete vertrauen.

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Verfasst von Martin P.
6. Mär 2008
„Der Umgang einer Gesellschaft mit dem Leben drückt sich im Umgang mit dem Leben aus. Da haben wir etwas aufzuarbeiten. Auch wenn der Anstoß politisch absolut unkorrekt formuliert wurde.“
Das habe ich vor ein paar Tagen in meinem Beitrag Absolut unkorrekt geschrieben. Über Genderama (völlig unkorrekt) bin auch einen Beitrag in Deutschlandradio Kultur gestoßen und ich fühle mich dadurch sehr bestätigt. Astrid von Friesen stellt da unangenehme Fragen:
„In Westdeutschland gab es – zum Glück – immer eine vehemente, hitzige und lautstarke Kritik an Erziehungsfehlern. Die DDR-Pädagogik jedoch scheint unter einer Schondecke zu ruhen. Niemand darf daran rühren. Und schon der vorsichtigste Kritiker wird unter den Generalverdacht des Verunglimpfens gestellt. Doch die Fragen müssen gestellt und beantwortet werden dürfen: Welche emotionalen Folgen hatten die Wochenkrippen, als Säuglinge von montags bis samstags abgegeben wurden? Wie wirkten Krippen-Gruppen mit mehr als zwölf Kindern pro Betreuerin? Wie war es in den staatlichen Kinderheimen und der strukturellen Gewalt dort? Man höre sich einmal die Malträtierten an, die bis heute um ihren Opferstatus kämpfen.“
Abschließend heißt es:
„In der Bibel heißt es: „Der Väter Sünden verfolgt uns bis ins vierte Glied.“ Man muss hinzufügen: Auch die Sünden der Mütter und die Sünden der offiziellen Erziehung.“
Wenn die gute Frau schon die Bibel zitiert, frage ich mich gleich, welchen Beitrag wir Christen dabei leisten können mit dieser „wirkenden Vergangenheit“ umzugehen?
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Verfasst von Marcus Bittner