Vor ein paar Tagen ist im Ch. Links Verlag ein Buch mit dem spannenden Titel „Zukunft erfinden“ erschienen. Darin werden kreative Projekte in Ostdeutschland vorgestellt. Auch wenn ich das Buch noch nicht gelesen habe, möchte ich es schon mal empfehlen. Ich denke, da ist genug Inspiration drin, um andere anzuspornen, an die Möglichkeiten in Ostdeutschland zu glauben.
Du bist mir fremd
7. Sep 200920 Jahre Mauerfall bedeutet ja nicht, dass zwischen Ost und West eine Liebesbeziehung entstanden ist und schon gar nicht eine Liebesheirat (wobei mir der Begriff Zwangsheirat auch nicht gefallen würde). Heute lese ich im Meininger Tageblatt, dass die Vorbehalte des Westens gegenüber dem Osten wohl sogar noch höher seien als andersherum. Der Psychoanalytiker Günter Jerouschek behauptet: „Westdeutsche haben ihre vermeintliche Besserstellung über Jahrzehnte hinweg verinnerlicht.“ Die Einstellung kommt wohl noch aus Zeiten des Kalten Kriegen und wurde auch an die jüngere Generation weitergegeben. Die von den Ostdeutschen gepflegte Ostalgie (also das Gegenteil von Westalgie) sei eine Antwort auf das westdeutsche Phänomen: „Das sind zwei Seiten einer Medallie“.
Interessanterweise hat sich unser Innenminister jetzt zu Wort gemeldet und hat zu mehr Verständnis für die Gefühle vieler Ostdeutscher aufgerufen: „Die Menschen im Osten haben seit dem Fall der Mauer viele Kränkungen erlebt.“
Objektiv hat er Recht. Ich höre aber zwischen den Zeilen auch hier etwas von der westlichen Vormachtstellung – oder höre ich das Gras wachsen?
Das Christliche und das Politische
10. Aug 2009Der Wahlkampf in Thüringen bringt auch die Glaubensüberzeugungen der Einzelnen Spitzenkandidaten zum Ausdruck. Der Artikel dazu in welt-online: „In Thüringen ist das politische Christentun noch lebendig“. (via Twitter Blogzentrale).
Neues aus dem Osten
30. Mär 2009Eine neue Umfrage bringt einige interessante Ergebnisse: „Der Sozialismus ist auch heute noch einen Versuch wert“ meinen 39 % der befragten Ostdeutschen (West: 24%).“Mit der Gerechtigkeit in der Gesellschaft sind die Menschen im Osten mehrheitlich unzufrieden, im Westen dagegen mehrheitlich zufrieden.“ Die Soziale Marktwirtschaft wird von 50 % der Menschen ist Ostdeutschland befürwortet.
Hinter diesen Zahlen höre ich eine Sehnsucht nach alternativen Lebensmodellen und -möglichkeiten. Welche Antworten haben Christen auf diese Sehnsucht? Wo werden sichtbare andere Modelle gelebt?
Jahr 20 nach dem Mauerfall
12. Jan 2009Also wir sind jetzt mittendrin im spannenden Jahr 20 nach dem Mauerfall. Ich freue mich darüber, dass es dieses Jahr viele Gelegenheiten gibt, die letzten 20 Jahre zu reflektieren. Ein öffentlicher Dialog findet im Internet statt:
Der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Wolfgang Tiefensee, lädt alle interessierten Bürgerinnen und Bürger im Rahmen des Forschungsprojektes *Wahrnehmung der deutschen Einheit* unter dem Motto *Unsere deutsche Einheit* zu einem vierwöchigen öffentlichen Dialog im Internet ein. Dabei geht es um die Frage, wie die Bevölkerung die deutsche Einheit 20 Jahre nach dem Mauerfall wahrnimmt und bewertet.
Es geht um folgende Fragen:
- Gestern: Was verbinden Sie mit dem 9. November 1989 — dem Tag der Maueröffnung?
- Heute: Wie erleben Sie momentan die deutsche Einheit? Wo befinden wir uns jetzt?
- Morgen: Wann ist die deutsche Einheit erfolgreich vollendet? Was ist noch zu tun?
Ich denke, das sind sehr gute und wichtige Fragen. Monitor Ostdeutschland empfieht: mitmachen!
Ein weiterer Link zum „Jubiläum“ gibt es hier.
Aufbau-Verlag insolvent
30. Mai 2008Gerade lese ich, dass der Berliner Aufbau-Verlag Insolvenz angemeldet hat. Das macht mich irgendwie traurig, denn der Verlag veröffentlicht doch sehr wertvolle Bücher aus ostdeutscher Sicht. Gerade liegt bei mir aus diesem Verlag „Die Ostdeutschen als Avantgarde“ von Wolfgang Engler auf dem Schreibtisch. Aus diesem Buch werde ich in nächster Zeit einige Zitate bloggen.
Ich hoffe, dass der Verlag doch noch „gerettet“ werden kann.
Die Vergangenheit wirkt
6. Mär 2008„Der Umgang einer Gesellschaft mit dem Leben drückt sich im Umgang mit dem Leben aus. Da haben wir etwas aufzuarbeiten. Auch wenn der Anstoß politisch absolut unkorrekt formuliert wurde.“
Das habe ich vor ein paar Tagen in meinem Beitrag Absolut unkorrekt geschrieben. Über Genderama (völlig unkorrekt) bin auch einen Beitrag in Deutschlandradio Kultur gestoßen und ich fühle mich dadurch sehr bestätigt. Astrid von Friesen stellt da unangenehme Fragen:
„In Westdeutschland gab es – zum Glück – immer eine vehemente, hitzige und lautstarke Kritik an Erziehungsfehlern. Die DDR-Pädagogik jedoch scheint unter einer Schondecke zu ruhen. Niemand darf daran rühren. Und schon der vorsichtigste Kritiker wird unter den Generalverdacht des Verunglimpfens gestellt. Doch die Fragen müssen gestellt und beantwortet werden dürfen: Welche emotionalen Folgen hatten die Wochenkrippen, als Säuglinge von montags bis samstags abgegeben wurden? Wie wirkten Krippen-Gruppen mit mehr als zwölf Kindern pro Betreuerin? Wie war es in den staatlichen Kinderheimen und der strukturellen Gewalt dort? Man höre sich einmal die Malträtierten an, die bis heute um ihren Opferstatus kämpfen.“
Abschließend heißt es:
„In der Bibel heißt es: „Der Väter Sünden verfolgt uns bis ins vierte Glied.“ Man muss hinzufügen: Auch die Sünden der Mütter und die Sünden der offiziellen Erziehung.“
Wenn die gute Frau schon die Bibel zitiert, frage ich mich gleich, welchen Beitrag wir Christen dabei leisten können mit dieser „wirkenden Vergangenheit“ umzugehen?
Leichtfertige Einstellung?
2. Mär 2008Böhmer: Dennoch ist die Häufung nicht zu leugnen. Ich erkläre sie vor allem mit einer leichtfertigeren Einstellung zu werdendem Leben in den neuen Ländern. In der DDR wurde 1972 der Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Woche freigegeben. Die Frauen entschieden ganz allein.
Als ich Schüler war, in den 70er Jahren, redete unsere Bio Lehrerin immer sehr gern und sehr offen über Abtreibung. Obwohl uns das Thema nicht so interessierte, es war nicht aktuell. Für sie, die eine 100%ige war, (also Sozialistin oder so) war Abtreibung eine Errungenschaft des Sozialismus. Etwas, was uns weit über die BRD hinaus hob. Während die Frauen in der BRD in ihren Rechten unterdrückt wurden, herrscht bei uns schon totale Gleichberechtigung. Sagte sie! Sie erzählte uns schlimme Geschichten von Mädchen, die ihre Lehre noch nicht beendet haben und schwanger sind und wie gut es doch in der DDR ist, das man das Kind dann abtreiben kann. Halt: nicht das Kind! Sondern den Fötus! Es lebt ja noch nicht!
Natürlich sagte sie auch, man sollte nicht leichtfertig mit Jedem schlafen, sie redete fast jede Stunde auf uns ein Verhütungsmittel zu benutzen. Den Abtreibung, lehrte sie uns, ist nur das letzte Mittel. Weil: es kann der Gesundheit der Frau schaden und sie unfähig machen nochmal Kinder zu bekommen.
Diese Leute waren überzeugte Atheisten und lehrten uns, das das Wohl der Mutter über das Wohl des ungeborenen geht. Und das es eine große Errungenschaft ist, eine Freiheit der Frau die es nur im Sozialismus gibt.
Böhmer: “Das sehe ich nicht so. Allerdings führt die weitverbreitete Fixierung auf den Staat aus DDR-Zeiten zur Aufgabe von individueller Verantwortung. Das stört mich sehr.”
Absolut unkorrekt
26. Feb 2008Wolfgang Böhmer ist Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Herr Böhmer hat etwas gesagt, was man nicht sagen darf – er war also politisch unkorrekt, wie man so schön sagt (über politsche Unkorrektheit werde ich an anderer Stelle bald mal was schreiben müssen). Im Focus-Interview wurde er über die Tatsache befragt, dass die Wahrscheinlichkeit von Kindstötungen im Osten 3 – 4 mal so häufig wäre, wie im Westen Deutschlands.
Hier sein Statement:
„Aus einer statistischen Aneinanderreihung folgt noch keine Kausalität. Dennoch ist die Häufung nicht zu leugnen. Ich erkläre sie vor allem mit einer leichtfertigeren Einstellung zu werdendem Leben in den neuen Ländern. In der DDR wurde 1972 der Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Woche freigegeben. Die Frauen entschieden ganz allein. Manche kamen grinsend zu uns ins Krankenhaus und sagten nur: „Wegmachen“, weil sie einen Platz für einen Urlaub an der Schwarzmeerküste hatten. Eine solche Einstellung zum Leben wirkt bis heute nach. Es kommt mir so vor, als ob Kindstötungen – die es allerdings immer schon gab – ein Mittel der Familienplanung seien.“
Das hat er gesagt und das ist politisch unkorrekt. Es gibt deshalb Stimmen, die sagen, dass der Mann zurücktreten soll. Er hat also über die leichtfertigere Einstellung zum Leben gesprochen. Über die Frage ob es in den neuen Bundesländern eine sittliche Verwahrlosung gebe, antwortete er:
„Das sehe ich nicht so. Allerdings führt die weitverbreitete Fixierung auf den Staat aus DDR-Zeiten zur Aufgabe von individueller Verantwortung. Das stört mich sehr.“
Ehrlich gesagt verstehe ich die Aufregung nicht ganz. Okay, dass es politisch unkorrekt klingt, das kommt schon deutlich raus. Aber trotzdem könnte ich ein wenig Aufklärung vertragen.
Ich möchte in die Diskussion gleich 2 Aspekte reinlegen, die in diesem Zusammenhang auch immer wieder kursieren.
Der DDR-Forscher Klaus Schroeder wird heute wie folgt zitiert:
„Wenn Herr Böhmer einen Unterschied zwischen Mentalitäten in Ost und West meinte, hat er recht“, sagte Schroeder am Montag in der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Kindstötungen dabei jedoch allein für eine Folge der DDR-Abtreibungspolitik zu halten, sei „Quatsch“, ergänzte der Professor der Freien Universität Berlin. „Da werden Ebenen und Kausalitäten vermischt und verwechselt. Es hat mich völlig überrascht, dass ein aufrechter Politiker wie Herr Böhmer so etwas sagt“.“
Kommentar hierzu: Was hat Herr Böhmer den wirklich gesagt?
Der zweite Aspekt ist die Tatsache, dass es in der DDR statistisch 4-mal so viel Abtreibungen gab, wie im Westen.
So, und jetzt bin ich auch mal politisch unkorrekt: Ich behaupte: Der Umgang einer Gesellschaft mit dem Leben drückt sich im Umgang mit dem Leben aus. Da haben wir etwas aufzuarbeiten. Auch wenn der Anstoß politisch absolut unkorrekt formuliert wurde.
Nochmal meine Frage: Was war der wirkliche Fehler von Wolfgang Böhmer? Bitte helft mir, ich verstehe nicht.
Verfasst von Marcus Bittner
Verfasst von Marcus Bittner
Verfasst von Marcus Bittner 


