Ostalgie

28. Sep 2008


Das habe ich mir aber schnell anders überlegt

23. Sep 2008

Als er bei mir angefangen hat, war er noch ein Kind. 15 Jahre. In seiner 3jährigen Lehrzeit hatten wir immer mal Stress miteinander. Weil wir über manches unterschiedliche Meinungen hatten. Er ist nach der Lehre mit in den neuen Betrieb gezogen und hat dort schnell seinen Platz gefunden. Dann war er selbst jemand, der Lehrlinge ausbildet, sie prägt. Irgendwann ist er eine feste Beziehung eingegangen und mit ihr zusammen gezogen. Dann haben sie sich ein Häuschen gekauft und umgebaut. Ca 30 km weg vom Betrieb. Da habe ich mir schon die ersten Sorgen gemacht. Diese Jahr ist er ein stolzer Papa geworden. Den Rest des Beitrags lesen »


Spinne

17. Mär 2008

Geh jetzt lieber bevor es Ärger gibt sagte die Kellnerin. Du weißt das du nicht hier rein kommen darfst. Jaja sagte Spinne. Er war in das Kaffee gekommen, hatte sich umgeschaut wer so da ist und meinen Kollegen entdeckt, mit dem ich nach der Schicht ins Kaffee „Angereck“ gegangen war. So setze er sich an unseren Tisch und tauschte mit ihm ein paar Neuigkeiten aus. Das war ganz schön aufregend für mich, denn so nah bin ich Spinne noch nie gekommen. Den Rest des Beitrags lesen »


Leichtfertige Einstellung?

2. Mär 2008

Böhmer: Dennoch ist die Häufung nicht zu leugnen. Ich erkläre sie vor allem mit einer leichtfertigeren Einstellung zu werdendem Leben in den neuen Ländern. In der DDR wurde 1972 der Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Woche freigegeben. Die Frauen entschieden ganz allein.

Als ich Schüler war, in den 70er Jahren, redete unsere Bio Lehrerin immer sehr gern und sehr offen über Abtreibung. Obwohl uns das Thema nicht so interessierte, es war nicht aktuell. Für sie, die eine 100%ige war, (also Sozialistin oder so) war Abtreibung eine Errungenschaft des Sozialismus. Etwas, was uns weit über die BRD hinaus hob. Während die Frauen in der BRD in ihren Rechten unterdrückt wurden, herrscht bei uns schon totale Gleichberechtigung. Sagte sie! Sie erzählte uns schlimme Geschichten von Mädchen, die ihre Lehre noch nicht beendet haben und schwanger sind und wie gut es doch in der DDR ist, das man das Kind dann abtreiben kann. Halt: nicht das Kind! Sondern den Fötus! Es lebt ja noch nicht!

Natürlich sagte sie auch, man sollte nicht leichtfertig mit Jedem schlafen, sie redete fast jede Stunde auf uns ein Verhütungsmittel zu benutzen. Den Abtreibung, lehrte sie uns, ist nur das letzte Mittel. Weil: es kann der Gesundheit der Frau schaden und sie unfähig machen nochmal Kinder zu bekommen.

Diese Leute waren überzeugte Atheisten und lehrten uns, das das Wohl der Mutter über das Wohl des ungeborenen geht. Und das es eine große Errungenschaft ist, eine Freiheit der Frau die es nur im Sozialismus gibt.

Böhmer: “Das sehe ich nicht so. Allerdings führt die weitverbreitete Fixierung auf den Staat aus DDR-Zeiten zur Aufgabe von individueller Verantwortung. Das stört mich sehr.”

Meine – persönliche – Vermutung ist: Die Fixierung auf den Staat DDR verschlimmerte sich bei manchen noch zur Wende! Sie verloren ihren Arbeitsplatz und und ihr Umfeld (das kollektiv! Darüber werde ich noch was schreiben). Sie fielen in ein großes Loch. Wurden aber von dem Sozialstaat der BRD aufgefangen. Arbeitslosen Geld, Sozialhilfe etc. Und die Kinder dieser Leute, das ist meine Meinung, die also in dem Umfeld von Arbeitslosigkeit, resignierten Eltern / Elternteilen, Sozialhilfe, Abhängigkeit vom Sozialstaat groß geworden sind, haben das Gefühl für nichts verantwortlich zu sein. Nicht für ihr Leben, ihr Auskommen und nicht für ihren Nachwuchs. Das ist nur ein sehr kleiner Kreis von Menschen. Die Meisten sind sehr verantwortungsbewusst und – sorry- Leidens bereiter als viele im Westen (siehe die Stundenlöhne für die sie arbeiten). Aber dieser kleine Teil macht mit seinen schrecklichen, verantwortungslosen Verhalten eben die Schlagzeilen.
Ein Beispiel: Über die Mutter, die in Sömmerda ihre Kinder im Stich gelassen hat und das kleine Kind verdursten lassen hat, habe ich viel in der Zeitung gelesen. Mein persönlicher Eindruck der Geschehnisse ist folgender:
Wie viele aus diesem Milieu hatte sie vielleicht auch die Ansicht, wenn ich Kinder habe muss mir der Staat mehr geben, sich mehr um mich kümmern. Dann, so glaube ich, hatte sie wieder einen neuen Partner. Da sind die Kinder dann im Weg, denn sie sind ja nicht sein Nachwuchs. Also hat sie die Kinder stark vernachlässigt. Das bekam das Jugendamt mit und wurde aktiv. Sie bekam die Ankündigung, das das Amt sie besucht und nach den Kindern schaut. Da hat sie- meine ich- den Kindern was zu essen hingestellt und ist zu ihrer Freundin gezogen. Weil, dachte sie vielleicht, sich jetzt ja das Jugendamt um die Kinder kümmert. Sie kommen, holen die Kinder ab und stecken sie ins Heim. Aus Angst vor Schwierigkeiten hat sie sich lieber gleich versteckt. Das Jugendamt kam nicht. Die können ja nicht die Tür aufbrechen.
Ich denke einfach die Einstellung dieser Leute, die zur Wende noch Kinder waren ist: Es muss sich jemand um mich kümmern. Ob ich eine Ausbildung mache oder nicht, ob ich in die Schule gehe oder nicht, das ist doch nicht mein Problem! Wenn es aber keinen Spaß macht! der Staat muss! Ich begegne dieser Einstellung immer wieder hier im Osten.
Es ist nur ein kleiner Teil der Menschen, aber ich glaube es ist die Mischung aus DDR Eltern und Wendekindern die das hervorgebracht hat.
Lösungen? Vielleicht mehr fordern von diesen Menschen?

Warum Aufarbeitung schwierig sein kann

2. Feb 2008

Seid ein paar Wochen denke ich über Marcus Artikel „Zeit zur Aufarbeitung“ nach. Eigentlich müsste ich doch ein Verfechter einer gründlichen, ehrlichen Aufarbeitung sein. Aber irgendwie…

Meine Gedanken sollen nicht ohne Widerspruch bleiben. Im Gegenteil. Ich möchte mit meinem Post sogar provozieren. Auch mich selbst.

Das erste Problem was ich feststelle: WIR waren doch die Guten! Uns wurde in der Schule beigebracht, dass die DDR von Antifaschisten gegründet wurde und die Faschisten alle im Westen sind. Die Mauer hieß offiziell: „Antifaschistischer Schutzwall“. Was doch ganz klar zeigt, dass wir die gute Seite der Welt vor dem Faschismus beschützen. Auch wenn man das als Erwachsener natürlich nicht glaubt, geht diese Dauer Berieselung mit Ideologie nicht ganz spurlos an einem vorbei. Das merke ich eben bei diesem Thema.

Zum Thema Verklärung: Ein Schulfreund, den ich öfter treffe, sagte schon mehrmals zu mir, wenn wir über solche Themen sprachen: „Das war doch keine schlechte Zeit! Es war doch eine schöne Zeit!“ Dann sage ich: „Das war unsere Kindheit und Jugend, was soll daran schlecht sein?“ Die Ossis fühlen sich persönlich angegriffen wenn sie Aufarbeitung der DDR Vergangenheit hören, so als wären sie grundsätzlich schuldig. Egal für was. Sie wissen nicht für was sie da verantwortlich sein sollen. So verstehen sie das Thema aber leider. Aufarbeitung: wer da gelebt hat ist schuldig! Dabei fühlen sich die Ossis (ich nicht) als zweifach betrogene. Erstens mussten sie in der DDR leben und konnten das goldenen Schlaraffenland nur im Fernsehen anschauen und dann nach der Wende wurden ihnen blühende Landschaften versprochen und genau das Gegenteil war der Fall. Arbeitslosigkeit, zerschlagenen Betriebe, das Wegbrechen einer ganzen (im Nachhinein heilen) Welt. Weil sie nicht das bekamen was ihnen versprochen wurde (wurde es versprochen?) verklären sie jetzt die Vergangenheit. Und verwechseln DDR Vergangenheit mit ihren persönlichen Leben. Und ein bisschen…gehts mir auch so. Die Probleme jetzt überschatten bei mir die Vergangenheit. Für mich ist das wie eine andere Welt, weit weg.

Außer wenn ich diesen alten Mann auf dem Friedhof sehe, wie er auf dem Friedhof stundenlang die Wege säubert und berechnet (mit der Harke so schöne Striche im Kies zieht). (Es kam mir lange Zeit so vor, das er irgend was ab arbeiten will. Eine Schuld? Aber das war vielleicht nur MEIN Eindruck) Wenn er mich sieht, dann schaut er auf und grüßt mich über die Maßen freundlich. So als wären wir sehr gute Freunde seit ewigen Zeiten. Dabei weiß ich genau, dass dieser Mann mich Oben angeschissen hat. Meine christlichen Jugendstreiche an die GANZ große Glocke gehängt hat und mir so Schwierigkeiten gemacht hat. Ja, mein weiteres Leben hat er damit verändert. Das kann ich nicht vergessen wenn ich ihn sehe. Ich sehe immer noch den Hardliner, den Stasimann in ihm. Aber hasse ich ihn? Nein. Ich kann nicht. er ist ein alter gebrechlicher Mann. Er tut mir leid. Er soll seine Ruhe haben. Ist das richtig? Schreibt es!